Haben Sie schon mal das Wort „Urständ“ gehört? Ich selbst bisher noch nicht. Es kommt direkt in der ersten Strophe unseres neuen „Liedes des Monats“ vor, das der Jesuitenpater Friedrich Spee im 17. Jahrhundert gedichtet hat. „Die ganze Welt, Herr Jesu Christ, in deiner Urständ fröhlich ist.“ In einer kleinen Fußnote ist das althochdeutsche Wort mit „Auferstehung“ übersetzt. Damit ist dann klar, dass es sich um ein österliches Loblied handelt, das die Freude über die Auferstehung besingt. Die tänzerische Melodie des Liedes passt mit seinem beschwingten Takt gut dazu. Die ganze Welt, so sieht es Friedrich Spee, feiert fröhlich Auferstehung. Überall kann man sehen und hören: Das Leben ist stärker als der Tod:
„Jetzt grünet, was nur grünen kann – die Bäum zu blühen fangen an.
Es singen jetzt die Vögel all – jetzt singt und klingt die Nachtigall.
Der Sonnenschein jetzt kommt herein – und gibt der Welt ein‘ neuen Schein“.
Wenn die ganze Welt Auferstehung feiert, können auch wir uns davon anstecken lassen. Das Wiedererwachen der Natur wird zu einem Sinnbild für die Auferstehung Jesu, für die Hoffnung auf neues Leben. Das Lied singt von der Lebensfreude im wahrsten Sinne des Wortes – der Freude am Leben, das sich immer neu dem Tod widersetzt. Friedrich Spee war selbst von dieser Osterfreude, dieser Lebensfreude angesteckt. Er hat daraus den Mut geschöpft, sich für das Leben einzusetzen: In einer Zeit, in der in Deutschland noch Frauen und Männer auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurden, hat er eine Abhandlung gegen den Hexenwahn geschrieben. Die Folter, so eine seiner großen Erkenntnisse, helfe nicht dazu, die Wahrheit herauszufinden. Damit wandte er sich deutlich gegen die damalige Rechtauffassung und Kirchenlehre. Seine Schrift hat maßgeblich zum Ende der Hexenprozesse beigetragen.
„Die ganze Welt, Herr Jesu Christ, ist fröhlich, weil du auferstanden bist.“ Die blühenden Bäume, die Lieder der Vögel, die wärmenden Sonnenstrahlen – im Frühling feiert die ganze Welt das Leben. Feiern wir mit – und versuchen wir, auch andere anzustecken mit Fröhlichkeit und neuem Lebensmut.
Wo das passiert, da verbinden sich Himmel und Erde, wie Friedrich Spee es in seinem Lied beschreibt:
„Das himmlisch Heer im Himmel singt – die Christenheit auf Erden klingt. Halleluja.“
Petra Frey