Wie würden Sie diesen Satz weiterführen: „Damit aus Fremden Freunde werden…“ Versuchen Sie es doch mal… Ich habe auch darüber nachgedacht und würde spontan sagen: „…ist es wichtig, sich zu begegnen, miteinander zu reden und sich kennenzulernen.“ Das Lied im Gotteslob Nr. 823 – aus dem Eigenteil des Bistums Trier — hat genau diesen Titel: „Damit aus Fremden Freunde werden“. Alle sechs Strophen beginnen mit dem gleichen Satzanfang und führen ihn jeweils weiter. Diese „Statusveränderung“ von „Fremden“ zu „Freunden“ wird in die Heilsgeschichte Gottes mit den Menschen eingebettet:
Ohne dass Gott je beim Namen genannt wird, richtet sich das Lied mit „Du“ an das göttliche Gegenüber. Dass Gott gemeint ist, wird im Lauf des Liedes durch die genannten Ereignisse mehr und mehr deutlich. Diesem „Du“ ist in jeder Strophe ein „Wir“ oder besser ein „Uns“ gegenübergestellt. Die Heilsgeschichte Gottes steht nicht für sich selbst, sondern immer in Beziehung zu uns Menschen: Gott wird in Jesus Mensch und damit „einer von uns“; Gott geht alle unsere Wege mit; er wird unser Bruder und begegnet uns in aller Vielfalt der Menschen; er lebt die Liebe bis zum Tod, zeigt uns Wege zum Frieden auf; er schenkt uns „Lebensglück und Brot“, stärkt uns an Seele und Leib, schenkt uns die Schöpfung und vertraut sie unserer Verantwortung an und schließlich – und das ist das Fazit der letzten Strophe – schenkt er uns seinen Heiligen Geist, von dem angetrieben wir Einigkeit leben können. All das verhilft Menschen dazu, das Fremdsein abzulegen und zu Freunden zu werden.
Der Anlass zum Lied war das gleichnamige Motto des Landesmissionstag der Badischen Landeskirche im Jahr 1982. Da es dazu keine geeigneten Lieder gab, wurde Rolf Schweizer (1936-2016) gebeten, ein Lied dazu zu schreiben. Er war zu diesem Zeitpunkt Bezirkskantor in Pforzheim und Landeskantor für Mittelbaden. Nicht nur dieser dichte und kompakte Text stammt von Rolf Schweizer. Als Musiker komponierte er auch eine passende Melodie dazu. Er hat dafür einen schwingenden 6/4-Takt gewählt. Die erste und dritte Melodiezeile sind – bis auf den Anfang – einander gleich gestaltet, und auch die zweite und vierte Melodiezeile enthalten mit dem vollen dritten und siebten Takt das gleiche Tonmaterial.
Petra Frey