Ein leidenschaftliches Plädoyer für Menschenwürde, Solidarität und eine Kirche, die handelt
„Nikolaus im Fahrerhaus“ – so lautet die diesjährige bundesweite Aktion zum Gedenktag des heiligen Nikolaus. Nikolaus steht für eine Kirche, die nicht wegschaut. Für eine Kirche, die die Not der Menschen wahrnimmt, ihnen konkret zur Seite steht und zugleich jene Strukturen benennt, die Not, Ungerechtigkeit und Ausbeutung hervorbringen.
Wir blicken mit großer Sorge auf unsere Welt: auf Kriege und gewaltsame Auseinandersetzungen – vom Heiligen Land über den Sudan bis in die Ukraine. Zugleich erleben wir, wie der Zusammenhalt in unserer Gesellschaft brüchig wird. Populismus von rechts und links gewinnt an Boden, Freiheit und Demokratie geraten unter Druck. Wir stehen an einem Scheideweg. Gerade jetzt müssen wir fragen, was hinter diesen Entwicklungen steht. Errungenschaften wie der Achtstundentag, die Sonntagsruhe, eine verlässliche Krankenversorgung und ein würdiges Auskommen im Alter werden infrage gestellt, während die Kluft zwischen Arm und Reich weiterwächst. Eine Wirtschaft, die den Menschen nicht dient und zugleich unser gemeinsames Haus, die Erde, ausbeutet und gefährdet, kann nicht im Sinne Gottes sein. Die Soziale Frage gehört deshalb wieder in die Mitte unserer Gesellschaft.
Hinschauen, wo Menschen übersehen werden
Darum schauen wir in diesen Tagen bewusst an den Rand unserer Gesellschaft – dorthin, wo ein rücksichtsloses Wirtschaftssystem längst erbarmungslos zugeschlagen hat: zu den Lkw-Fahrerinnen und Lkw-Fahrern auf unseren Straßen und Rastplätzen. Schon Fahrerinnen und Fahrer aus Deutschland tragen eine enorme Last: Zeitdruck auf überfüllten Autobahnen, fehlende Parkplätze, schlechte sanitäre Anlagen und viel zu wenig Wertschätzung. Dabei halten sie eine Schlüsselbranche am Laufen. Fast alles, was uns umgibt, was wir tragen und täglich in den Händen halten, wurde zumindest einen Teil seines Weges mit dem Lkw transportiert. Besonders hart trifft es Kolleginnen und Kollegen aus Mittel- und Osteuropa sowie aus Drittstaaten (Usbekistan, Indien usw.). Viele arbeiten in undurchsichtigen Beschäftigungsmodellen, ohne wirksame Interessenvertretung und ohne ausreichende soziale Absicherung. Mindestlöhne werden durch Spesenmodelle ausgehöhlt; gemessen an den tatsächlichen Arbeitszeiten bleiben teilweise nur Stundenlöhne von weniger als drei Euro. Viele sehen ihre Familien über lange Zeit kaum. Sie kochen auf Rastplätzen, weil sie sich die teuren Mahlzeiten dort nicht leisten können. Ihr Zuhause ist oft das ganze Jahr das Fahrerhaus – auf engstem Raum, fern von Familie und gesellschaftlicher Teilhabe.
Jetzt zählt unser gemeinsames Handeln
Wir als Kirche und KAB wollen mit der Aktion „Nikolaus im Fahrerhaus“ möglichst vielen Lkw-Fahrerinnen und Lkw-Fahrern auf den Rastplätzen unserer Republik begegnen. Wir wollen Danke sagen für ihre schwere, unverzichtbare Arbeit. Wir wollen ihnen Anerkennung schenken, ihre Lebens- und Arbeitsbedingungen sichtbar machen und öffentlich die Frage stellen, warum politisch nicht längst mehr zu ihrem Schutz getan wird.
Dafür brauchen wir Sie. Unterstützen Sie unsere Aktion mit einer Geldspende oder mit Sachspenden. Bringen Sie Ihre Zeit, Ihre Ideen und Ihre tatkräftige Hilfe ein. Begleiten Sie die Fahrerinnen und Fahrer und unsere Aktion im Gebet. Jeder Beitrag – groß oder klein – wird zum Zeichen: Ihr seid nicht vergessen. Eure Arbeit und eure Würde zählen.
Sagen wir mit Nikolaus: Nein zur Ausbeutung von Menschen auf unseren Straßen!
Sagen wir mit Nikolaus: Nein zu Gleichgültigkeit und zu einer Gesellschaft, die auseinanderbricht!
Spenden Sie. Machen Sie mit. Erzählen Sie von der Aktion. Schenken wir gemeinsam Anerkennung, Nähe und Hoffnung, damit aus dem Zeichen des heiligen Nikolaus konkrete Solidarität wird.
Ansprechpartner vor Ort: Diakon Michael Hommer, Tel.: 0175/5715487, E-Mail
Bei Interesse helfen Ihnen aber auch gerne Ihr Pfarrbüro oder das Büro des Pastoralen Raumes weiter.
Alle Interessierten laden wir herzlich ein, sich aktiv einzubringen und bei einem gemeinsamen Treffen Ideen auszutauschen, Erfahrungen zu teilen und die nächsten Schritte zu planen. Termin und Ort geben wir nach gemeinsamer Absprache bekannt.
Gottes Segen und freundliche Grüße
Diakon Michael Hommer